Amerika im Umbruch: Was die Midterms für Europa und die Märkte bedeuten
Rund 50 institutionelle Kundinnen und Kunden kamen zum traditionellen Working Lunch von IQAM Invest ins Park Hyatt Vienna. Auf dem Podium: Dr. Holger Bahr, Leiter, Volkswirtschaft der DekaBank und US-Expertin Cathryn Clüver Ashbrook in Wien. Moderiert hat, wie seit vielen Jahren, Zeit im Bild-Moderatorin Nadja Bernhard.
Der Working Lunch im Oktober ist bei IQAM Invest längst eine feste Größe: ein Format für fachlichen Austausch und persönliches Gespräch, das in Zeiten geopolitischer Unsicherheit noch mehr an Bedeutung gewinnt. Die beiden Themen in diesem Jahr: „Kapitalmärkte in der Geoökonomie“ und die „US-Midterms“.
„Ganz Europa blickt in die USA. Was dort bei den Midterms entschieden wird, betrifft Europa unmittelbar“, sagte Holger Wern, Sprecher der Geschäftsführung von IQAM Invest, zur Begrüßung. Mit Cathryn Clüver Ashbrook und Holger Bahr seien zwei ausgewiesene Kenner auf dem Podium, die zeigen, wie die Neuordnung der Weltwirtschaft die Kapitalmärkte verändert.
Von der Effizienz zur Geoökonomie
Dr. Holger Bahr beschrieb einen grundlegenden Wandel: „Vor allem US-Präsident Trump steht dafür, eigene geopolitische Ziele mit ökonomischer Macht durchzusetzen. Wir befinden uns nunmehr in einer Geoökonomie, die auf eine effizienzorientierte Weltwirtschaft folgt. Kapitalmarktrelevante Folgen sind derzeit höhere Inflationsraten und die Unsicherheit über die nächsten Notenbankentscheidungen.“
Für Unternehmen rücken sichere Lieferketten und Energieversorgung stärker in den Fokus. Produktion wird teurer, die Produktivität steht unter Druck. Gleichzeitig hat sich die Weltwirtschaft bislang als bemerkenswert flexibel und widerstandsfähig erwiesen. Große Hoffnungen ruhen auf der Künstlichen Intelligenz als Treiber der dringend nötigen Produktivitätssteigerungen.
Midterms: Keine Beruhigung in Sicht
Cathryn Clüver Ashbrook dämpfte Hoffnungen auf eine Entspannung: „Die Midterms versprechen nicht die Beruhigung in der US-Politik, die sich viele Europäer wünschen. Stattdessen könnte entweder ein von einer demokratischen Mehrheit kontrollierter und damit bedrängter Präsident Trump zu noch schärferen Methoden der Machtausübung greifen, oder – bei republikanischen Kammern oder einer Durchmischung – das Erreichte in der Machtzentrierung in der Exekutive strukturell verstetigen.“
Auch ein reibungsloser und friedlicher Ablauf der Wahlen sei nicht garantiert. Nach Einschätzung der US-Expertin zielt die Regierung darauf, die Wahl und ihre Funktion für die Demokratie insgesamt zu diskreditieren. Unabhängig vom Ergebnis erwartet sie belastende Jahre für die demokratischen Strukturen in den USA: Zu viel messbare Macht ist dem Kongress bereits abhandengekommen, als dass es nicht zu einer Dauer-Machtprobe mit dem Weißen Haus kommen würde, welche die Amerikaner selbst aber als politisches Patt und strukturellen Stillstand lesen werden.
Zwei Szenarien für Unternehmen
Clüver Ashbrook rät, mit zwei Szenarien zu planen:
- Regulatorisch-legislativer „Freeze“: Gewinnen die Demokraten, werden sie versuchen, die Exekutive zu kontrollieren und Rechenschaft abzuverlangen, dürften aber oft an den neuen Machtstrukturen scheitern.
- Beschleunigte Autokratisierung: Ein durch einen republikanischen Sieg gestärkter Präsident sichert den Umbau von Exekutive und Regierungsgefüge dauerhaft ab.
In beiden Fällen könnte der Präsident noch aggressiver agieren. Die internationalen Auswirkungen bleiben damit hoch volatil.
?>v. .l .n. r. Holger Wern (Sprecher der Geschäftsführung, IQAM Invest), Nadja Bernhard (ZIB-Moderatorin, ORF), Cathryn Clüver Ashbrook (US-Expertin und Autorin) und Dr. Holger Bahr (Leiter, Volkswirtschaft der DekaBank)
Bilder: www.studiohuger.at / Abdruck honorarfrei!
Holger Wern, Sprecher der Geschäftsführung bei IQAM Invest
Dr. Holger Bahr, Leiter, Volkswirtschaft der DekaBank
Cathryn Clüver Ashbrook, US-Expertin und Autorin
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